DIE ANGST VORM SCHEITERN

 

Hinweis: Eine Podcastfolge findest du am Ende des Beitrages

Ein neuer Morgen. Draußen ist es grau und die Regentropfen prasseln gegen die Fensterscheibe. Der Wecker hat grade seinen Weckruf ertönen lassen. Die Augen sind noch nicht ganz auf und schon rattern die Gedanken durch den Kopf. „Was ist, wenn das nicht gut geht?“.

Das Aufstehen fällt schwer und irgendwie ist nicht ganz klar, was heute alles erledigt werden muss. Kunden müssen her. Das ist sicher. Aber die Angst vorm Scheitern ist so groß, dass sie noch mehr hemmt und es einfach nicht weiter geht. Die Gedanken sind blockiert.

So oder so ähnlich können Gedanken von Menschen aussehen, die unter einem Große Druck stehen und Verlustängste haben. Selbstständige kann das besonders betreffen. Grade wenn man noch in der Start-Up Phase steckt. Diese Phase ist geprägt von Höhen und Tiefen. Ein hoher Lerneffekt, den Gründerinnen und Gründer täglich durchleben. Das ist ein wenig wie eine Achterbahn.

 

Das Leben wird zur Achterbahnfahrt

 

Langsam wird man nach oben gezogen, um dann umso schneller wieder runter zu rauschen und Loopings zu drehen. Der Euphorie zum Beginn der Selbstständigkeit folgt die Realität.

Dem Partner müssen wir erklären warum gespart werden muss und man selbst fragt sich, ob das alles richtig war mit der Selbstständigkeit.

Beim Gedanken an die Angst vorm Scheitern fängt das Herz an zu pulsieren und ein flaues Gefühl breitet sich in der Magengegend aus. Wieder ins Angestelltenverhältnis zurück? Was sagen die Nachbarn, die Freunde und Bekannten dazu? Alle die, die vorher schon gesagt haben „Lass das. Das wird nichts.“

Verlustängste machen sich breit. Es scheint, als wenn in unserer Gesellschaft nur der Erfolg zählt und zu scheitern als Niederlage angesehen wird. So sind wir oft programmiert. Unsere Gedanken sorgen für das Gefühl des Unwohlseins, blockieren und hemmen uns.

 

Mach einfach weiter ist oft gar nicht einfach

 

Und jetzt? So mancher Motivationsguru könnte jetzt rufen „Steh auf und mach weiter. Denk positiv und du kannst alles schaffen, was du willst.“

Hilft das? Vielleicht gibt es sogar Menschen, denen das hilft. Mir persönlich ist das zu kurz gedacht. Denn die Angst vorm Scheitern kann durchaus tief sitzen und durch falsche Glaubenssätze ausgelöst werden.

Bücher wie „Sorge dich nicht – lebe“, „Denke nach und werde reich“ oder „Die Macht Ihres Unterbewusstseins“ wurden weltweit millionenfach verkauft. Scheinbar einfach kann jedes Problem gelöst werden. Und wie sieht die Realität aus? Psychische Erkrankungen nehmen zu und die wenigsten sind durch so ein Buch oder Seminar erfolgreicher geworden.

Aber was können wir tun, wenn die Angst vorm Scheitern und Verlust überhandnimmt? Wenn sie uns hemmt, lähmt und wir kurz davor sind krank zu werden?

Dazu ist es wichtig zu verstehen, was Angst überhaupt ist. Angst ist grundsätzlich etwas, was sich in unserem Kopf abspielt. Es sind Gedanken, die ein Bild von der Zukunft malen, die aber noch nicht geschehen ist.

Gedanken sind sehr machtvoll. Sie können uns motivieren oder hemmen. Wir sind durch sie glücklich oder traurig. Optimismus oder Ängste können sie aber ebenfalls auslösen.

Die „Was-passiert-dann-Maschine“ läuft bei Ängsten auf Hochtouren.

Rationales denken und handeln bleibt aus. Wir trauen uns nicht mehr. Das Selbstbewusstsein leidet.

 

Es findet sich ein Weg

 

Aber was kannst du dagegen tun, wenn es dir so geht? Worauf ich hier leider nicht eingehen kann, ist die Möglichkeit die Ursache zu finden. Es gibt oft einen Grund aus der Vergangenheit, warum manche Optimisten sind und andere nicht. Aber unsere Leben sind individuell. Wir haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht, unser Umfeld ist anders und somit sind wir als Menschen auch einzigartig. Und damit auch die Ursachen.

Was kannst du jetzt tun, damit du wieder zuversichtlicher denkst? Ohne Ängste vorm Scheitern?

Das folgende soll eine erste Hilfe sein, damit du wieder durchatmen kannst und es dir besser geht:

1. Mache dir klar, was im schlimmsten Fall passieren kann
Ok. Vermutlich wirst du finanzielle Verluste erleiden und vielleicht hast du Schulden. Dein Leben hängt davon aber nicht ab. Es ist unangenehm dem Partner das zu gestehen und auch Gespräche mit der Familie oder Bank werden dir nicht leichtfallen.

Was passiert noch? Deine „Freiheit“ geht verloren, da du wieder im Angestelltenverhältnis arbeiten musst. Dein Leben steht nicht auf dem Spiel.

Du hast gelernt. Das kann dir bei einem Neustart durchaus helfen. Deine Erfahrungen kann dir niemand nehmen.

2. Mache einen Realitätscheck
Ist die Situation wirklich so schlimm, wie du dir das vorstellst oder brauchst du nur ein paar Punkte zu verändern und schon läuft dein Geschäft wieder? Vielleicht machst du zu viel die falschen Dinge? Prüfe das für dich möglichst neutral. Unsere Gedanken spielen uns manchmal einen Streich und wir nehmen die Realität falsch wahr und laufen dadurch nicht in die richtige Richtung.

3. Mache Autogenes Training oder Meditation
Entspannungstechniken helfen, sich zu beruhigen. Deine Gedanken werden dadurch klarer. Wenn du noch kein Autogenes Training oder Meditation machst, fange damit an. Anfangs braucht es vielleicht etwas Übung, aber mit der Zeit merkst du, wie es wirkt. Im Internet kannst du geführte Meditationen runterladen.

4. Visualisiere eine positive Zukunft
Dein Gehirn ist empfänglich für Bilder. Dadurch entsteht Angst erst. Durch Bilder der Zukunft. Mach die Augen zu, atme ruhig und stelle dir vor, wie die Zukunft aussieht, wenn du deine Herausforderung gelöst hast. Versuche es dir so vorzustellen, dass wirkliche Gefühle entstehen. Du brauchst davon kein glasklares Bild in deiner Vorstellung zu haben. Das soll kein Ultra-HD-Film werden.

 

Visualisiere deine Zukunft

 

Wenn es dir schwerfällt dir Dinge bildlich vorzustellen, kannst du das üben. Gehe in dein Wohnzimmer, sieh dir den Raum an und schließe die Augen. Dann versuche dir die Gegenstände vorzustellen. Die Umgebung kennst du. Mache das dann auch mit ein oder zwei weiteren Räumen. Wenn du diese Räume dann innerlich sehen kannst, stelle Gegenstände um und wiederhole das Ganze. Dadurch trainierst du deine bildliche Vorstellungskraft.

Was passiert mit deinen Gedanken bei positiver Visualisierung? Mit etwas Regelmäßigkeit weicht die Angst den positiven Gedanken. Deine Zuversicht steigt und damit auch die Klarheit darüber, was du jetzt unternehmen kannst, um das Scheitern zu verhindern.

Mache dir klar, das Scheitern etwas Gutes sein kann, auch wenn es sich sehr unangenehm anfüllt. Du lernst daraus unheimlich viel. Versuche es als etwas Positives zu sehen, dass dich weiterbringen kann. Dein Optimismus wird dadurch steigen. Du wirst nicht mehr gehemmt sein.

Morgens, wenn der Wecker wieder klingelt, wirst du aufstehen und zu dir selbst sagen „Ich packe jetzt die Dinge an. Sollte dieser Weg eine Sackgasse sein, suche ich mir einfach einen anderen Weg.“