STRESS IM VERTRIEB

 

Hinweis: Eine Podcastfolge findest du am Ende des Beitrages

Es ist wieder einmal einer dieser Tage, der eigentlich 48 Stunden an Zeit gebrauchen könnte. Morgens direkt ein Meeting mit dem Chef, wo es um die Umsatzzahlen geht, danach ein Telefongespräch mit einem Kunden, der unzufrieden ist und anschließend stehen wichtige Termine vor Ort bei Interessenten an. Danach geht es noch weiter zu einer Messe. Anreise mit dem Auto, um flexibel bleiben zu können. Vier Stunden Autofahrt. Spät abends dann im Hotel ankommen, schnell etwas essen und anschließend noch E-Mails bearbeiten.

So oder in etwa sieht nicht selten ein Arbeitstag im Vertrieb aus. Voll Power, Druck und wenig Zeit zum Durchatmen. Es zählt nur Leistung und Umsatz. Purer Stress.

Und ja, meist wissen Vertriebsmitarbeiter worauf sie sich einlassen. Der schicke Firmenwagen und das Gehalt zzgl. Provisionen sind auch nicht zu verachten. Keine Frage, dass sind Vorteile, die nicht wegdiskutiert werden können.

 

Stress vermindert die Leistungsfähigkeit

 

Aber was ist der Preis? Die Familie, Freunde und die eigene Freizeit kommen oft zu kurz. Am Wochenende wäre Zeit zum Durchatmen. Allerdings wollen dann die Kinder oder der Partner mit einem etwas unternehmen, einkaufen oder einfach nur Aufmerksamkeit haben. Der innere Stresspegel bleibt bestehen.

Aus einem schlechten Gewissen heraus, lässt man sich darauf ein, ohne etwas zu sagen. Man funktioniert nur. Und Sonntagabend kommen die Gedanken für den Montag, wenn alles von vorne losgeht.

Woher ich das weiß? Aus über 20 Jahren eigener Vertriebserfahrung und vielen Gesprächen mit Kollegen abends an der Hotelbar bei einem Bier.

60.000 Kilometer pro Jahr waren die Normalität. Manchmal auch mehr. Der Äquator hat eine Länge von 40.074 km. Das bedeutet, ich bin quasi 30-mal um die Erde gefahren.

Ja ich gehörte zu den besten Verkäufern bei Canon. Ja ich habe in Zeiten der New Economy bei Unternehmen wie JobScout24 großartige Events miterlebt. Ja ich konnte in Zeiten der Wirtschaftskrise 2009 als neuer Vertriebsleiter jahrelang stagnierende Umsätze um 20 Prozent erhöhen. Und das bei einer familiengeführten Druckerei. Und ja ich habe sehr gutes Geld verdient.

 

Alles hat einen Preis im Leben

 

Wir bezahlen aber immer einen Preis im Leben. Da können wir uns sicher sein. Und was war mein Preis? Stress pur, der Verlust meiner Gallenblase, ständige Gereiztheit, häufige Jobwechsel wegen Unzufriedenheit, Schlafstörungen und am Ende der Leistungseinbruch.

Und warum? Zum einen war ich der Meinung, dass mein Leben in Ordnung ist. Mir war nicht bewusst, dass ich mit Vollgas gegen eine Mauer fahre. Dann war da noch die Angst kein tolles Auto mehr zu fahren. Was würden wohl Nachbarn, Familie und Freunde denken, wenn das weg wäre? Und das liebe Geld? Die schönen Wochenendtrips, Restaurantbesuche mit gehobener Küche, die Musicalbesuche und Urlaube. Auf das alles müsste ich verzichten, wenn ich etwas ändere.

So dachte ich zumindest. Und so dachten auch viele meiner damaligen Kollegen.

Und weißt du was? Das war alles Blödsinn. Diese ganzen unsinnigen Gedanken spielten sich nur in meinem Kopf ab. Warum habe ich nicht mal mit meinem Chef gesprochen? Warum habe ich nicht mal weniger Kunden besucht? Warum habe ich nicht mehr für mich gemacht? Wären dadurch wirklich meine Umsatzzahlen eingebrochen oder wären diese vielleicht sogar besser gewesen?

Klar, hätte und würde bringt niemanden etwas.

 

Veränderungen sind anfangs ungewohnt

 

Aber warum fällt es uns so schwer offensichtlich für uns schädliches nicht zu ändern? Ganz einfach. Weil wir in unserem Hamsterrad fleißig strampeln, damit wir zur Gesellschaft passen. Vor uns läuft dann noch der Film unseres Lebens ab. Mit allem, was uns unser Leben lang beigebracht wurde. Irgendwann sind wir gefangen in unseren Vorstellungen und Gedanken. Dafür sorgt schon unser Gehirn, dass auf Erfahrungen und Bilder reagiert. Es filtert Informationen für uns und sorgt für eine Reaktion. Diese kann positiv oder negativ sein.

Unser Gefühl von Erfolgslosigkeit, wenn wir weniger Termine haben, ist vom Grundsatz nur ein Gedanke. Nicht mehr und nicht weniger. Der Stress in uns wächst und gedeiht.  Das Ergebnis kann auch anders ausfallen. Dieser Gedanke und das Gefühl können verschiedene Ursachen haben.

Auch Führungskräfte müssen hier eventuell umdenken und auf Mitarbeiter zugehen.

 

Führungskräfte haben Verantwortung

 

Und jetzt die gute Nachricht. Was wir uns an gestressten Gedanken angewöhnt haben, können wir auch wieder umprogrammieren. Vielleicht nicht über Nacht, aber doch in einem überschaubaren Zeitraum.

Wenn du das Gefühl hast ausgepowert und voll Stress zu sein, dann sprich zuerst mit deinem Chef. Und sollte dein Chef keine Einsicht zeigen, dann verlasse das Unternehmen. Es wird dich auspowern. Denn weißt du was passiert, wenn du nicht mehr funktionierst oder krank ausfällst? Der nächste wird für dich eingestellt und dein Name ist bald nur noch eine Aktenbezeichnung in der Personalabteilung.

Bist du selbständig, dann setze dich in ein Café und atme erstmal durch.

Nimm dir deinen Terminkalender der letzten Monate und schaue dir an, welche Termine wichtig waren und welche dich überhaupt nicht weiterbrachten. Vielleicht erkennst du ein Muster bei den unwichtigen Terminen. Mache dir zuerst klar, warum du der Meinung bist, dass du diese Termine trotzdem wahrnehmen musst. Und dann schalte das ab. Mir ist bewusst, dass das vielleicht allein nicht ganz einfach ist. Manche Gründe gehen bis auf die Kindheit zurück.

Plane Zeiten für dich ein. Auch innerhalb der Woche. Tue dir etwas Gutes. Wenn du bisher um Meditation, Autogenem Training oder anderen Entspannungstechniken einen großen Bogen gemacht hast, dann empfehle ich dir auch das zu ändern. Denn das ist wie ein täglicher Urlaub für deine Gedanken. Versuche zu visualisieren, wie du ohne Stress und voller Entspannung bist. Stelle dir vor, wie du auf einer Wiese oder am Strand liegst und einfach nur die Ruhe genießt.

Verändere deine Verhaltensmuster. Du wirst sehen, dass du mit weniger Stress und einer neuen Denkweise mehr Leistung bringst. Du wirst erfolgreicher sein. Deine Gespräche verlaufen anders und du wirst kreativer in dem, was du tust. Neu Ideen entstehen, wie du deine Umsätze erhöhen kannst.

Bei mir hat das funktioniert, dann funktioniert das bei dir auch.

Mach etwas aus deinem Leben.

Viele Grüße

Dirk Krause